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Kultur von Freilandkakteen

Viele Kakteen überdauern den Winter in unseren Breiten trotz der Minustemperaturen ohne Probleme, wenn sie vor Winternässe geschützt werden. Es gibt auch Arten und Hybriden aus der Gattung Cylindropuntia und Opuntia, die sogar ohne Regensschutz frosthart sind!
 

Standort

Cylindropuntia imbricata

Freilandkakteen benötigen für gutes Gedeihen einen vollsonnigen, möglichst windgeschützten Standort mit durchlässigem, mineralischem Substrat auf gut drainiertem Untergrund. Größere Steine speichern Wärme und verbessern das Mikroklima.

Eine anhaltende Schneedecke ist für alle Freilandsukkulenten optimal, aber leider oft nicht (mehr) gewährleistet. In regenreichen Gebieten empfehle ich den Pflanzen Regenschutz zu geben. Am besten geeignet ist hier eine helle Plastik- oder Glasplatte. Auch eine Stahlkonstruktion, die mit Fließ abgedeckt ist, erfüllt diesen Zweck. Bitte beachten Sie, dass noch genügend Luftzirkulation möglich ist um Pilzkrankheiten vorzubeugen.

Eine pflegeleichte Alternative ist Freilandkakteen in Schalen oder im Kübel an sonnigen und regengeschützten Plätzen oder in einem unbeheizten Gewächshaus aufzustellen. Auch ein geschütztes Beet vor einer Hauswand in südlicher Lage ist von Vorteil (s. Bild rechts - ein ausgewachsenes Exemplar von Cylindropuntia imbricata im Kakteenbeet in entsprechender Lage).

 

Substrat

Ich verwende meine selbst gemischte Erde, bestehend aus 1,5 Teilen übliche Pflanzerde, 1 Teil sandiger Lehm, 1 Teil Perlite und 1 Teil Granitsplitt und einer geringen Menge Hornmehl. Die oberste Schicht besteht aus Granitsplitt, die Staunässe verhindert und zu einer schnelleren Erwärmung des Bodens beiträgt. Auch das Unkraut lässt sich besser herausziehen, was ohnehin unter dieser Abdeckung nur spärlich keimt.

Opuntia polyacantha ssp. rhodantha f. spinosior cv. Uhlig

Ein weiteres Rezept von Herrn Graf, einem bekannten Spezialist auf dem Gebiet der Freilandkakteen, besteht aus 30% Blumenerde, 20% Gartenerde oder Kompost, 30% gewaschenem Sand und 20% gebrochenem Blähton mit einer Korngröße von 4-8 mm, z.B. Liadrain. Er empfiehlt die Kakteen nur zur Hälfte bis zu 2/3 des Topfballens in das Substrat zu pflanzen. Die obere Schicht von fünf bis zehn Zentimetern sollte aus rein mineralischem Gemisch bestehen. Dies gewährleistet eine schnellere Abtrocknung des Wurzelhalses bei längeren Regenperioden und dient auch zur besseren Erwärmung des Bodens. Ein Gemisch von 50% gewaschenem Sand (für einen guten Bodenschluss und Wurzelbildung) mit 50% Liadrain hat sich hierfür bestens bewährt.

Bei Freilandpflanzung wird die vorhandene Gartenerde je nach Beschaffenheit mit ein bis zwei Drittel mineralischen Bestandteilen, wie Sand, Kies, Lecaton, Ziegelsplitt oder ähnlichem vermischt. Bei sandigen Böden rät er ein Drittel Torf oder gute Gartenerde beizumischen.

 

Gießen

Eine Trockenperiode in den Wintermonaten fördert bei vielen Kakteen die Blütenbildung. Manche Arten, wie z.B. Opuntia fragilis benötigen im zeitigen Frühjahr eine größere Wasserzufuhr um eine Schneeschmelze zu imitieren.

Opuntia im Winter

Zu wenig Feuchtigkeit in den Frühlingsmonaten bis Juli hat Zwergwuchs zur Folge.

Wenn die Pflanzen im Winter zu feucht stehen, besteht die Gefahr dass die Pflanzen faulen. Staunässe ist auch während der anderen Jahreszeiten zu vermeiden. Das empfohlene mineralische Substrat trocknet im Sommer schnell aus und die Pflanzen sollten von Anfang März bis Ende August, außer bei längeren Regenperioden, alle ein bis zwei Wochen gegossen werden - frei ausgepflanzte Kakteen nur bei Trockenheit. Wenn Sie Ihre Pflanzen in Töpfen oder kleineren Kübeln kultivieren, sollten Sie die Wassergaben erst Ende September einstellen.

Wenn im Herbst die einzelnen Glieder der Kakteen zu Schrumpfen beginnen und sich die Färbung in bräunliche Töne ändert ist dies kein Grund zur Sorge. Bei den Feigenkakteen liegen die Blätter im Winter sogar fast am Erdboden auf (s. Bild rechts). Im Frühling richten sie sich innerhalb weniger Tage wieder auf und bilden ab Ende April bis Mitte Mai wieder neue Sprosse und Knospen.

 

Düngung

Echinocereus reichenbachii var. baileyi

Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass frostharte Kakteen keine Düngung benötigen - vor allem Opuntien brauchen sehr viele Nährstoffe. Düngermangel würde dazu führen, dass die Pflanzen nach wenigen Jahren eingehen.

Die erste Düngergabe kann im März erfolgen. In den darauffolgenden Monaten April bis Juni alle 14 Tage auf einen Quadratmeter 20 bis 30 Gramm Volldünger, wie z.B. Blaukorn, streuen oder regelmäßig mit einer 1%igen Flüssigdüngung eines Vollnährdüngers gießen. Die Pflanzen im Juli nur noch leicht düngen und abschließend im August mit der einmaligen Gabe eines Kaliumdüngers (Kalimagnesia, Patentkali - 20 g/m2), der die Kräftigung des Pflanzengewebes unterstützt, einstellen. Dann können die Neutriebe gut ausreifen und überstehen den nächsten Winter problemlos.

Wird Hornmehl als Stickstoffdünger gegeben, reicht eine einmalige Gabe im März aus, da der in ihm enthaltene Stickstoff erst beim Abbau durch die Bodenorganismen langsam freigesetzt wird. Gröbere Hornprodukte (Hornspäne) sollten nicht verwendet werden, da die Umsetzung bei ihnen zu lange dauert.

 

Blütezeit

Die Blütezeit der Einzelblüte beträgt bei Opuntia ein bis drei Tage und bei Echinoceren ca. vier bis sieben Tage. Die Blüten öffnen sich nur bei sonnigem Wetter. Da größere Feigenkakteen bis zu 50 Blüten und mehr haben, beträgt die Blütezeit bis zu drei Wochen pro Pflanze. Opuntia phaeacantha bildet zudem sehr schöne Früchte, die bis in den Dezember zieren! (s. Bild rechts)

 

"Kakteenstacheln"

Opuntia debrezyi

Ein Kaktus besitzt keine Stacheln, sondern Dornen: Blätter die durch die große Trockenheit und zum Schutz vor der starken Sonneneinstrahlung umgewandelt wurden.

Die Gattung Opuntia sollte mit Respekt behandelt werden.

Bei erwachsenen Pflanzen ist Vorsicht beim Berühren geboten. Die Pflanzen besitzen Glochiden, das sind unzählige, winzig kleine Kurzdornen, die um die gut sichtbaren Mitteldornen herum angeordnet sind. Durch ihre Widerhaken bleiben sie bereits bei leichter Berührung in unserer Haut stecken. Man merkt es meist erst später, wenn sie versehentlich tiefer in die Haut gedrückt werden. Entfernen lassen sie sich dann mit Geduld mit einer Pinzette oder bei größerer Anzahl mit Seifenwasser und einer Handbürste. Eine Gurkenzange aus Holz hat sich beim Ein- und Umpflanzen von Freilandkakteen sehr bewährt.

Trotzdem sollte uns dies auf Grund der Schönheit und Teil der Vielfalt unserer zauberhaften Pflanzenwelt, nicht von der Kultur in unseren Gärten abschrecken!


 

Weiterführende Literatur

Martin Haberer & Hans Graf: "500 winterharte Sukkulenten und Kakteen: von A - Z"

500 winterharte Sukkulenten und Kakteen

Erschienden im Ulmerverlag im August 2010 mit 190 Seiten und unzähligen Bildern von Sempervivum & Kakteen.

außerdem
Holger Dopp: "Winterharte Kakteen für drinnen und draußen"
Fritz Köhlein: "Freilandsukkulenten"
Kümmel / Klügling "Winterharte Kakteen" - antiquarisch
(Die Neuauflage mit Ulrich Haage ist am 1. März 2005 erschienen)

Ein kleines Sortiment von pflegeleichten Freilandkakteen finden Sie in unserem Shop finden.
 

Datei herunterladen (Pflege von frostharten Kakteen) - 50 KB

© Erwin Geiger 2009